Was passiert, wenn der eigene Hausarzt in die Ferien geht? Diese einfache Frage steht im Zentrum des neuen CSS Institut Working Papers “Access to Whom? Relational Frictions and Healthcare Demand” von Linn Hjalmarsson und Nicolas Schreiner.
In unserer Analyse von 1.8 Millionen Versicherten zwischen 2014 und 2024 finden wir, wenn der eigene Hausarzt vorübergehend abwesend ist:
- Sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Grundversorgungsbesuchs um rund zwei Drittel
- Die wöchentlichen Gesamtgesundheitskosten gehen um 19 Prozent zurück
Die Patienten weichen kaum auf andere Ärzte aus. Nicht auf andere Hausärzte, nicht auf Spezialisten, nicht auf Notfallstationen. Stattdessen verzichten sie schlicht auf den Arztbesuch — obwohl andere Ärzte in der Region verfügbar bleiben und sich an Versicherung und Kostenbeteiligung nichts ändert.
Wie stark dieser Effekt von der lokalen Ärztedichte abhängt? Gar nicht. Ob 2 oder 20 alternative Hausärzte in der Nähe praktizieren — der Rückgang ist praktisch identisch. Auch das Versicherungsmodell spielt kaum eine Rolle: Patienten mit freier Arztwahl verzichten genauso auf den Besuch wie solche in Modellen mit formaler Überweisungspflicht — die freiwillige Bindung an den eigenen Hausarzt wirkt mindestens so stark wie vertragliches Gatekeeping.
Die persönliche Beziehung zum Arzt erweist sich damit als eine der stärksten Triebkräfte der Gesundheitsnachfrage — stärker als die Anzahl verfügbarer Ärzte, stärker als Unterschiede zwischen Versicherungsmodellen und, gemessen an der Grössenordnung, stärker als die Kostenbeteiligung.
Eine ausführlichere Zusammenfassung ist hier auf unserer Website verfügbar, das vollständige Working Paper steht ebenfalls zum Download bereit.